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Musik | Interviews
Von Yoko Rückerl
Köln, Gebäude 9: Ein paar Stunden vor seinem Konzert
treffen wir Sänger Gotye zum Interview. Er trägt Jeans,
Turnschuhe, einen wilden Lockenkopf und ein breites Dauergrinsen
– was bestimmt auch an seiner hübschen Freundin liegt,
die im Tourbus auf ihn wartet.
1LIVE: Wouter, können
wir am Anfang bitte kurz klären, was es mit deinem Namen auf
sich hat?
Gotye: Wenn man meinen flämischen Vornamen
Wouter ins französische übersetzt, kommt Gautier raus.
Weil aber schon ein berühmter Modedesigner so ähnlich
heißt, habe ich mich Gotye genannt. Du kannst mich aber gerne
Wally nennen.
1LIVE: Okay, Wally. Ich habe
gelesen, dass du auf Tour schwer leidest. Hast du dich mittlerweile
daran gewöhnt?
Gotye: Es geht, irgendwie finde ich keine Routine
auf Tour. In Bussen oder Flugzeugen kann ich nie schlafen, ich bin
also ständig müde. Touren ist definitiv
selbstzerstörerisch. Aber auf der anderen Seite macht es
süchtig! Auf der Bühne ist die Energie plötzlich
wieder da, und ich liebe es, so viel Zeit mit meiner Band zu
verbringen. Manchmal finden wir auch Zeit in einer fremden Stadt,
den ein oder anderen Plattenladen zu entdecken. Ich bin immer auf
der Suche nach guten alten Platten zum Sampeln.
1LIVE: Von welchen
Künstlern hast du Platten zuhause?
Gotye: Ich bin ein riesiger Depeche-Mode-Fan, ich habe jahrelang nur Depeche Mode gehört. The KLF fand ich auch schon immer
großartig. Ich liebe Musik aus allen Genres, meine erste
Platte ist von Wham! Ich
stehe auf relativ unbekannte Musik von Rockbands wie Ween oder dem Elektonik-Duo Perrey & Kingsley aus den
Sechzigern genauso wie auf Bekanntes von George Michael, Kate Bush oder The Police.
1LIVE: The Police! Ich finde ja, ab und
zu klingst du wie Sting in seinen Police-Zeiten...
Gotye: Stimmt, manchmal wenn ich hoch singe, oder?
Auch mit Peter Gabriel
werde ich manchmal verglichen. Das ehrt mich, ich finde ihn
großartig.
1LIVE: Neben deiner riesigen
Plattensammlung scheinen dich vor allem Trennungen zu inspirieren.
Mit "Somebody That I Used To
Know" hast du auf jeden Fall den schönsten
Trennungssong des Jahres geschrieben...
Gotye: Dankeschön! Stimmt, in "Somebody That I Used To
Know" fasse ich meine Erinnerungen an ganz
unterschiedliche Trennungen zusammen. Es geht um verschiedene
Momente aus unterschiedlichen Beziehungen, die ich in den letzten
Jahren geführt habe. Bei einer Trennung reflektierst du
automatisch die gemeinsame Zeit und hast mit verdammt vielen
Gefühlen gleichzeitig zu kämpfen. Einerseits bist du
traurig, dann bist du wieder sauer. Vor allem bist du ganz
schön verwirrt. Und es ist schwierig, heraus zu finden, wie
man als Ex-Paar nach einer Trennung miteinander umgeht.
1LIVE: Das Video zum Song
ist mittlerweile fast schon Kult.
Gotye: Ja, die vielen Cover-Versionen! Das liegt
bestimmt daran, weil ich mich ausgezogen habe (lacht).
Insgesamt haben wir nur zwei Tage gedreht, aber die haben wir so
gut wie durchgemacht. Zwischendurch war ich mal 36 Stunden am
Stück wach. Zum Teil haben wir vier, fünf Stunden am
Stück gedreht. Und ich musste die ganze Zeit extrem still
halten, weil sie mich Stück für Stück bemalt
haben.
1LIVE: Für dein Album
"Making Mirrors"
hast du eine alte Scheune auf dem Grundstück deiner Eltern in
ein Studio umgebaut. Wie kam es dazu?
Gotye: Ich bin produktiver, wenn ich das
Gefühl habe, zur Arbeit zu gehen anstatt alles zuhause zu
machen. Eine räumliche Trennung von Studio und Wohnung hilft
mir dabei. Außerdem habe ich bisher immer nur in WGs gelebt.
Das waren oft winzige Zimmer, in denen sich meine Computer,
Mikrofone und andere Instrumente bis unter die Decke gestapelt
haben. Bei meinen Eltern hatte ich endlich mal genug Platz.
Außerdem ist die Ruhe dort einfach wunderbar zum Arbeiten.
Trotzdem habe ich zweieinhalb Jahre gebraucht (lacht). Ich
bin eben sehr detailverliebt, wenn es um Sounds geht.
1LIVE: Was haben deine
Eltern gesagt, als du wieder bei ihnen eingezogen
bist?
Gotye (lacht): Oh, ich bin nicht wieder
bei ihnen eingezogen. Auch wenn das ständig geschrieben wird.
Da hätte sich meine Freundin beschwert! Meine Eltern wohnen in
Mornington, Victoria. Und
ich wohne gerade mal zehn Minuten entfernt. Ich habe also an meinem
Album gearbeitet, konnte zwischendurch mit meinem Vater
abhängen, er hat nebenbei ein bisschen die Scheune renoviert,
abends haben wir alle zusammen gegessen. Aber geschlafen habe ich
zuhause!
1LIVE: Dein Vater hat auch
das Bild auf dem Cover deines Albums gezeichnet...
Gotye: Genau, er hat dieses kleine Kunstwerk
irgendwann in den Achtzigern gemalt, auf dem Dachboden verstaut und
anscheinend vergessen. Auf jeden Fall habe ich es letztes Jahr
zwischen alten Zeitungen und Rechnungen gefunden und war sofort
begeistert. Ich wusste, das passt zu meinem Album.
1LIVE: War es eigentlich
schwer, von deinen Eltern ein Schlagzeug zu
bekommen?
Gotye: Es war verdammt hart, und es hat Jahre
gedauert. Als Kind hatte ich ein paar kleine afrikanische Trommeln
und ich erinnere mich noch genau, dass ich mit Stäbchen auf
ihnen herumgetrommelt habe. Mit acht oder neun hat mir dann jemand
in der Grundschule endlich richtige Drumsticks in die Hand gegeben.
Ich war regelrecht geschockt und dachte nur, dass diese Riesenteile
doch niemals Drumsticks sein können. Es dauerte übrigens
noch, bis ich fünfzehn, sechzehn war, dann kauften mir meine
Eltern endlich ein richtiges Schlagzeug. Anscheinend hat selbst das
unserer Beziehung nicht geschadet.
Stand: 13.02.2012
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